Halo: Weshalb dieser Moment die richtige Entscheidung war

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Halo - Serie - Teaser
(c) Paramount + / Sky

Jahrelang befand sich Halo als Live-Action-Serie in Arbeit. Jetzt ist die erste Folge raus und die Meinungen gehen – wie erwartet – teilweise massiv auseinander. Vor allem an einem Moment in Halo Folge 1 scheiden sich die Geister. Entsprechend: SPOILER-WARNUNG für alle, die die erste Episode noch nicht gesehen haben.

Ich muss ja zugeben, dass ich mich nach den ersten Teasern und Trailern unglaublich auf Halo gefreut hatte. Als ich dann die ersten Stimmen zur Serie vernahm, befürchtete ich schon, dass die Serie vielleicht doch ein Reinfall wird, immerhin wäre Halo nicht die erste Videospieladaption, die sich zum Flop mausert.

Inzwischen habe ich Halo Folge 1 bereits zweimal gesehen und ich hatte beim zweiten Anschauen beinahe noch mehr Spaß als bei der ersten Runde, einfach, weil diese Welt so wundervoll ausgearbeitet wurde und man erkennt, wie intensiv sich die kreativen Köpfe mit dem Halo-Universum beschäftigt hatten, um dieses aus den Games ins TV zu holen.

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Auch wenn ich selbst von dem Auftakt begeistert bin und hoffe, dass die Serie dieses Niveau hält oder sogar noch draufpackt, kann ich zumindest manche Kritikpunkte nachvollziehen.

Zum einen wird häufig das CGI bemängelt, das gelegentlich doch eher an die Games erinnert als an eine Serie. Das ist für mich persönlich tatsächlich ein Punkt, über den ich hinwegsehen kann, wenn sonst alles passt, denn man darf nicht vergessen, dass es sich noch immer um eine TV-Serie und keinen Kino-Blockbuster handelt – und selbst deren CGI lässt gelegentlich zu wünschen übrig.

Und dann ist da natürlich der Elefant im Raum, für den es eigentlich gar keiner Spoiler-Warnung mehr bedarf, denn die großen Seiten posaunen dies ohnehin schon längst raus.

Ich war übrigens überrascht, als ich im Rahmen des IGN Fanfest die ersten Artikel lokalisierte und die Verantwortlichen darin direkt preisgaben: Ja, man wird das Gesicht des Master Chiefs in der Serie sehen. In dem Moment war mir auch klar, dass, egal, wie sich die Verantwortlichen entschieden hätten, sie es falsch gemacht hätten.

Nun ja, und wie versprochen, so geliefert. Schon in der ersten Episode nahm der Master Chief den Helm ab und zeigte sein Gesicht. Für viele ein No-Go. Aber ich denke, für die Serie war es aus mehreren Gründen die richtige Entscheidung.

Ich muss gestehen, obwohl ich um die Enthüllung wusste, hätte ich nicht damit gerechnet, dass dies gleich in der ersten Episode geschieht und, wenn ich mir dahingehend etwas gewünscht hätte, dann, dass man es nicht im Vorfeld angekündigt hätte. So wäre der Spannungsmoment doch noch ein wenig aufrecht erhalten geblieben, ob er den Helm nun tatsächlich (schon) absetzt oder doch (noch) nicht.

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Im Nachhinein bin ich allerdings fast froh darum, dass man gleich zu Beginn Tatsachen geschaffen hat, denn einen behelmenten Charakter, der den Helm erst am Ende seiner ersten Season abnimmt, hatten wir eben erst mit dem Mando – und da sind wir auch schon bei einem anderen Punkt, weshalb ich nachvollziehen kann, dass man sich dazu entschieden hat, das Gesicht des Master Chiefs zu zeigen.

Obwohl ich Star Wars: The Mandalorian nach leichten Startproblemen inzwischen richtig gut finde, habe ich zu dem Charakter selbst kaum einen Bezug. Mir fehlt hier die menschliche Komponente, was durch die Art von Charakter nochmals erschwert wird. Im Prinzip wäre es mir sogar egal, wenn man die Figur einfach austauscht und zum Beispiel einen anderen Mando einsetzt. Zwar taut Mando aufgrund seiner Beziehung zu Grogu allmählich ein wenig auf und wirkt im Gegensatz zum Beginn der Serie deutlich menschlicher (auch mit Helm), sieht man sich den Master Chief an, so handelt es sich allerdings nochmal um eine ganz andere Sache.

Immerhin ist er ein verbesserte Soldat, der von seinen Befehlen lebt, nicht von Erinnerungen, Gefühlen, etc. Das wird nach der Schlacht auf Madrigal auch deutlich sichtbar, als sich das Silver Team gar nicht mit den vielen Toten aufhält und auch die einzige Überlebende (immerhin sogar minderjährig) einfach ihrem Schicksal überlässt. Wie soll – vor allem all jenen Zuschauern ohne Kenntnis der Games – also das (Wieder-) Finden seiner Menschlichkeit verdeutlich werden, das mit der Bergung des mysteriösen Objekts begann, wenn sie ihn ausschließlich als Maschine denn als Mensch kennen? Wie soll eine individuelle menschliche Reise erzählt werden, wenn der Helm den Menschen verbirgt und dieser für den Zuschauer nahezu austauschbar wirkt?

Nicht jeder hat die emotionale Bindung zum Master Chief, die viele Spieler über Jahre hinweg zu dieser beliebten Figur aufgebaut haben. Umso wichtiger ist es, diese Bindung in der Serie herzustellen, was mit Helm zumindest für einen Teil des Publikums sicherlich durchaus problematisch wäre.

Entsprechend denke ich, dass die Serienverantwortlichen hier die richtige Entscheidung getroffen haben, auch wenn sie bei vielen Gamern damit auf wenig Gegenliebe stoßen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es in der zweiten Folge weitergeht und bin optimistisch, weshalb ich auch ganz happy bin, dass Halo Staffel 2 schon vor der Premiere bestellt wurde.

Und nun zu euch: Habt ihr den Auftakt bereits gesehen? Wie fandet ihr die Folge und was sagt ihr dazu, dass die Serie helmtechnisch einen anderen Weg als die Spiele einschlägt?

Nicole Sälzle schreibt seit 2005 für Stargate-Project.de und legte damit den Grundstein für ihre Zukunft. Ihre jahrelange Erfahrung im redaktionellen Umfeld nutzte sie als Sprungbrett - erfolgreich. Mittlerweile schreibt die studierte Übersetzerin und Dolmetscherin für namhafte Newssites im Bereich Film & Serien. Unter dem Titel "Der Verlorene Sektor" bringt sie ihre eigene Sci-Fi-Romanreihe raus.

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