Cosplayer reagieren oftmals allergisch, wenn in den sozialen Netzwerken danach gefragt wird, ob man ein Kostüm ausleihen dürfe. Und das aus guten Gründen.
Die fünfte Jahreszeit ist in vollem Gange und gerade im Endspurt will sich so manch einer noch mit einem Kostüm eindecken, mit dem man es zu Karneval, Fasching oder wie auch immer man es nennt, noch einmal so richtig krachen lassen kann.
Das ganze Jahr über, aber geballt zur Faschingszeit, stolpert man immer wieder über eine Reihe von Anfragen in Foren und sozialen Netzwerken, in denen – meist recht unbedarfte – Personen wissen möchten, ob es nicht jemanden gebe, der ihnen eine (zum Beispiel) Star Wars-Rüstung ausleiht. Nur für einen Tag, oder zwei.
Die Folge sind meist eine Reihe von entrüsteten Kommentaren, Ausführungen, weshalb dies nicht möglich (oder nur schwer zu verwirklichen) ist und wie dreist die Anfrage ist.
Nun muss ich einerseits sagen, dass es vielen Leuten nicht schaden würde, wenn sie sich vor einer solchen Anfrage zumindest ein paar Gedanken machen und sich mit dem Thema auseinandersetzen würden. Auch ein paar Minuten Recherche reichen in der Regel aus, um zu erkennen, weshalb man besser von einer solchen Anfrage absieht bzw. weshalb man sich auf entsprechende Rückmeldungen gefasst machen sollte. Auch wenn ich der Meinung bin, wenn man antwortet, kann man das auch freundlich tun.
Weshalb ihr besser keine Star Wars-Rüstung ausleihen möchtet
Ich nehme die Star Wars-Rüstung nun stellvertretend für andere ähnlich teure Kostüme, damit der Artikel nicht zu verworren wird. Tatsächlich ist das auch häufig der Bereich, in dem ich solche Anfragen sehe. Das gilt aber natürlich auch für viele, viele andere Kostüme und nahezu immer aus den gleichen oder zumindeset ähnlichen Gründen.
Star Wars-Rüstungen sind teuer
Viele filmakurate Kostüme sind sehr, sehr teuer in der Anschaffung. Wer sich von einer anderen Person einen Stormtrooper leihen möchte, ist sich wahrscheinlich nicht darüber im Klaren, dass das Kostüm gut und gerne 1.200 bis 1.500 Euro gekostet hat. Ein Darth Vader-Kostüm oder auch ein Boba Fett liegen schon mal bei 5.000 Euro plus.
Möchtet ihr euch wirklich ein Kostüm ausleihen, das so viel kostet wie ein gebrauchter Kleinwagen? Zu einer Faschingsfeier, auf der jederzeit etwas passieren kann? Vom Anrempeln und Stolpern bis hin zu der Möglichkeit, dass euch jemand über das Kostüm kotzt?

Die Kostüme sind sehr empfindlich
Das gilt natürlich nicht für jedes Kostüm, doch für gewöhnlich sollte man schon wissen, wie man mit einem bestimmten Kostüm umgeht. So gibt es Helm, die gerne brechen, wenn sie falsch angefasst werden, Rüstungen, in denen man sich besser auf bestimmte Weise bücken sollte, und Kostüme, in denen man sich am besten gar nicht bückt.
Wer die Kostüme in der Regel trägt, trägt sie nicht nur einmal, sondern weiß, welche Bewegungen möglich sind und welche nicht. Eine falsche Bewegung und es kann schon sein, dass etwas reißt, bricht oder anderweitig beschädigt wird. Manches kann man kleben, anderes nicht. Und da sind wir schon beim nächsten Problem.
Die Kostüme sind nicht von der Stange
Die meisten dieser filmakuraten Kostüme sind nicht von der Stange. Entweder Fans setzen auf die von anderen Fans erstellten Kits, in die nach Zustellung auch noch eine Menge Arbeit geht, oder sie bauen sie direkt selbst oder ordern sich eigens für sie angefertigte Commissions.
Die Kostüme sind also nicht nur entsprechend teuer, sondern eben auch nicht einfach zu ersetzen. Selbst wenn ihr ein beschädigtes oder verloren gegangenes Teil finanziell ersetzt, ist das nicht gleich nächste Woche da. Manchmal müssen Wartezeiten von Wochen oder gar Monaten eingeplant werden – Zeit, in der das Kostüm nicht tragbar ist.
Individuelle Anpassungen
Auch wenn für unbedarfte Personen ein Stormtrooper wie der andere aussieht, gibt es große Unterschiede, häufig beim Strapping, also dem Konstrukt, das eine Rüstung zusammenhält. Kein Körper ist wie ein anderer und so nimmt jeder Kostümträger seine entsprechenden Anpassungen am Kostüm vor, ganz gleich, ob Stoff oder Plastik. Auch bei gleicher Größe und gleichem Gewicht ist nicht gesichert, dass euch ein Kostüm wirklich passt. Das führt wieder zu oben genannten Problemen.
Ihr seid ein Kostüm nicht gewohnt
Was vielen Personen, die noch nie ein solches Kostüm getragen haben, oftmals nicht bewusst ist, ist, wie sehr gerade Rüstungen einschränken können. Sicht, Hören, Bewegung. Gerade auf einem Faschingsball – am besten in einer abgedunkelten Halle mit lauter Musik – möchtet ihr nicht unbedingt mit einer Rüstung unterwegs sein, in der ihr kaum sehen, hören und euch bewegen wollt. Treppen steigen? Überschätzt euch besser nicht.

Der Hygiene-Aspekt
Viele finden es auch nicht gerade hygienisch, einer anderen Person ein Kostüm zu leihen. In den meisten filmakuraten Kostümen, die man sich gerne einmal leihen möchte, schwitzt man unglaublich. Und natürlich lässt sich eine Rüstung bis zu einem gewissen Grad abwischen und manch ein Unteranzug lässt sich auch waschen. Aber nicht jedes Kostüm lässt sich gleich gut reinigen. Beim Helmen, Handschuhen, etc. kann es da schon schwierig werden.
Weshalb ich meine Kostüme nicht verleihen würde
Gewiss ist das von Person zu Person unterschiedlich und es kommt sicherlich auch ein wenig darauf an, wer fragt und wie gut man die andere Person kennt. Fremde wären für mich immer ein No-Go und flüchtig Bekannte ebenso.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich meine Kostüme nicht verleihen würde. Zum einen gehöre ich zu denjenigen, die es irgendwie unhygienisch und eklig finden, wenn einem plötzlich jemand anders in die Rüstung und insbesondere den Helm schwitzt, zum anderen treffen aber auch die anderen oben genannten Punkte mal mehr, mal weniger zu.
Das hat nichts damit zu tun, das ich einem anderen Fan nicht einfach schnell mal aushelfen möchte, sondern schlicht damit, dass auch in meinen Kostümen neben viel Geld auch viel Arbeit steckt und das jemand, der noch nie ein Kostüm selbst gebaut hat, nur selten wirklich einzuschätzen und zu wertschätzen weiß. Hinzu kommt, dass man schon beim An- und Ausziehen bestimmte Kniffe kennen sollte, um die Kostüme richtig zu tragen und die Einschränkungen im Kostüm und die Anpassungen auf mich teils extrem sind, weshalb ich keine unbedarfte Person einfach so mal schnell auf einen Faschingsumzug schicken möchte.
Ich muss dazu auch sagen, dass ich selbst meine Kostüme ebenfalls nicht zum Fasching anziehen würde. Andere handhaben das wieder anders, aber da sich das Publikum schon bei Freizeitparkparaden oftmals nicht benehmen kann, ist mir persönlich die Teilnahme an einem Umzug oder einem Faschingsball zu kritisch. Da ich ohnehin kein großer Fan der 5. Jahreszeit bin, tut mir das nun aber auch nicht besonders weh 😉
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