Auf so manche Serie werde ich erst aufmerksam, wenn sie eigentlich schon abgesetzt ist. Man kann leider eben nicht alles schauen – vor allem nicht gleichzeitig. So zog auch Jericho an mir zunächst vorbei. Tatsächlich ist es für die Serie schon ein ganzes Weilchen zu Ende. Im Nachhinein muss ich sagen: Leider.
Um was geht es in Jericho?
Die Grundidee ist eigentlich schnell erklärt: Der Zuschauer findet sich schnell in der amerikanischen Kleinstadt Jericho wieder, in die Jake Greene nach 5 Jahren Abwesenheit zurückkehrt, da er einige Dinge regeln muss. Es wird schnell klar, dass zwischen ihm und seiner Familie einiges im Argen liegt und er so manches Geheimnis hütet. Damit ist er in dieser Stadt jedoch nicht der einzige. Aber der einzige, der wieder aus der Stadt verschwinden will, als sich ein Atompilz am Horizont abzeichnet und er notgedrungen nach Jericho zurückkehrt, wo bald der Kampf ums Überleben beginnt.
Aber bei diesem Kampf ums Überleben geht es schon nach kurzem nicht mehr nur darum, Lebensmittel und andere wichtige Güter zu beschaffen, sondern sich auch gegen Übergriffe aus anderen Städten und vor allem die Söldnertruppe Ravenwood durchzusetzen, mit der Jake schon die ein oder anderen Erfahrungen gesammelt hat.
Meine Meinung zu Jericho
Die Serie dreht sich zwar fast ausschließlich um diese Kleinstadt, aber die Handlung nimmt schnell Fahrt auf. Das liegt vor allem daran, dass man als Zuschauer nicht mehr weiß als die Bewohner von Jericho. Und mit jedem Informationshäppchen, das die Bewohner der Stadt aufschnappen, setzt sich auch beim Zuschauer wieder ein Stück des Puzzles zusammen. Damit hebt sich die Serie auf interessante Weise von anderen Vertretern dieses Genres ab. So fragt man sich ebenso wie die Bewohner Jerichos: Waren es wirklich Atombomben? Wie viele Städte sind betroffen? Wer ist verantwortlich? Und wie geht es mit den Bürgern nun weiter?
Zudem gibt es kaum einen Charakter, mit dem innerhalb der Handlung nicht gespielt wird. Kann man dieser Person vertrauen oder nicht? Wie weit, ist sie bereit zu gehen? Würde sie die anderen verraten? Fragen über Fragen.
Wenngleich im Mittelpunkt der Handlung die Familie Greene steht, verkommt Jericho aus unter anderem den oben genannten Gründen dennoch nicht zur Soap. An erster Stelle steht stets die Stadt, deren Gesamtbild man als Zuschauer gut vermittelt bekommt. Die Spannungen, die unter den Bürgern aufkommen, sorgen natürlich stets für neue Wendungen, denn letztlich will jeder überleben. Dass es hier zu unterschiedlichen Ansichten kommt, wie man am besten überlebt oder, dass manche Menschen aus Panik und Angst reagieren, ist dabei vorprogrammiert und schafft stets Konfliktpotenzial, das oftmals die Gesamtsituation der gesamten Stadt verändert.
Die 1. Staffel Jericho endet mit einem Cliffhanger. So ist verständlich, dass die Fans einst alles dafür taten, um die Serie zu retten oder zumindest einen Abschluss zu erhalten. Tatsächlich schütteten die Fans damals die Verantwortlichen mit Erdnüssen zu, die in der somit herausgeschlagenen Staffel 2 sogar erwähnt werden – „eine Speisekammer voll Erdnüsse“.
Während Staffel 1 über 22 Episoden verfügt, muss Staffel 2 nunmehr nur mit 7 auskommen – aber immer noch besser, als die Serie mit einem Cliffhanger enden zu lassen. In Staffel 2 ändern sich die Voraussetzungen enorm, denn es zeichnet sich ab, dass es im Osten und im Westen der USA neue Regierungen gibt und auch Jericho bekommt die Militärmacht des Westens bald zu spüren. Zwar beendet das Militär die blutige Auseinandersetzung zwischen Jericho und der Nachbarstadt New Bern, doch zeigt sich bald – erst recht, als auch Ravenwood in Jericho auftaucht -, dass die neue Regierung korrupt ist und ein Plan her muss, wie man die Verschwörung aufdecken kann.
Das klingt nach richtig viel Stoff für eine kurze 2. Staffel. Aber die Verantwortlichen haben gezeigt, dass es machbar ist. Natürlich könnte man am Ende der Serie weitermachen und noch viele weitere Geschichten erzählen, denn eine korrupte Regierung lässt sich nicht von heute auf morgen absetzen. Das Ende ist dennoch (zum Glück!) kein wahrer Cliffhanger und alles in allem ziemlich rund. Alle driftigen Fragen werden geklärt, alle Mysterien aufgedeckt, die den Zuschauer von Anfang an fesselten. Man weiß letzten Endes wer für die Anschläge verantwortlich ist, wieso dieser jemand das tat und was genau geschah. Und in gewisser Weise endet auch das Kapitel „Jericho“, denn am Ende wird die Verantwortung einiger weniger Bürger dieser Kleinstadt, die um die Korruption und die wahren Schuldigen dieser Anschläge wussten, an andere, höhere Stelle abgegeben, die viel mehr bewirken kann, wenn es darum geht, eine ganze Regierung außer Kraft zu setzen.
Fazit zu Jericho
Es ist sehr schade um die Serie, denn sie hatte einen guten Erzählstil und auch ein gutes Erzähltempo. Bis zuletzt wusste man von manchen Charakteren nicht, was man von ihnen halten sollte, wenngleich alle Charaktere gut gezeichnet waren, sodass man mitfiebern konnte. Leider endete mit Jericho somit eine Serie, die so manchen wahren Kern besitzt, nach nicht einmal 30 Episoden als weiteres Beispiel dafür, dass in der TV-Landschaft überwiegend nur noch Geld und Quoten statt Spannung und Unterhaltung ausschlaggebend sind.
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